Deutschland

Brennender Batteriespeicher in Bautzen: Ein Blick in die Zukunft

Große Batteriespeicheranlagen wie im schleswig-holsteinischen Bollingstedt sollen das Problem der Schwankungen bei Solar- und Windstrom lösen helfen. Aber der Brand einer kleineren Batteriespeicheranlage in Bautzen zeigt: Ganz so einfach wird das nicht.
Brennender Batteriespeicher in Bautzen: Ein Blick in die Zukunft© Urheberrechtlich geschützt

Seit Dienstag brennt in Bautzen ein Batteriespeicher aus mehreren Containern. Die Feuerwehr kann sich den brennenden Containern bisher nicht nähern. Die Anlage wird pro Minute mit 5.000 Litern Wasser gekühlt. Auch am Donnerstag wird dies nach Aussage eines Sprechers der Stadt so weitergehen. Damit das Trinkwassernetz nicht belastet wird, wird dafür Wasser aus der Spree gepumpt.

Die Anlage dient dazu, Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Sie wurde im Verlauf der letzten Jahre von einem privaten Unternehmen errichtet und dient auch als Notstromversorgung für ein Gewerbegebiet in der Nähe. Sie besteht aus vier Standardcontainern und liefert eine maximale Leistung von 1,5 Megawatt.

Bisher brannten nur wesentlich kleinere Speicheranlagen, daher gibt es kaum Erfahrung im Umgang mit Bränden dieser Größenordnung. Allerdings sind selbst Heimspeicher meist schwierig zu löschen, und auch der Brand des Akkus eines Elektrofahrzeugs wird in Deutschland bisher durch Versenken des Gefährts in einem wassergefüllten Container bekämpft.

Nicht nur die Löschung dieses Brandes ist eine Herausforderung. Die dabei gemachten Erfahrungen werden im Grunde dringend benötigt, denn die Anlage, die gerade in Bautzen brennt, ist bei weitem nicht der größte Batteriespeicher in Deutschland.

Der wurde im Sommer vergangenen Jahres in Bollingstedt in Schleswig-Holstein in Betrieb genommen, besteht aus 64 Containern, verteilt auf einem Hektar, und liefert etwa die 70-fache Leistung. Würde es dort zu einem Brand kommen, der sich nicht auf eine Teilfläche begrenzen ließe, so würde der Wasserverbrauch allein zur Kühlung noch einmal deutlich größer werden.

Die Anlage in Bautzen könnte, wenn die aktuelle Erwartung der Feuerwehr zutrifft und auch den ganzen Donnerstag weiter gekühlt werden muss, insgesamt etwa 21.600 Kubikmeter Wasser verbrauchen. Nachdem die Spree dafür genutzt werden kann, ist das relativ unproblematisch ‒ der Durchfluss liegt bei 105 Kubikmetern pro Sekunde. Die Entnahme entspricht also weniger als 5 Prozent.

In Bollingstedt wäre die Lage völlig anders. In der Nähe der Speicheranlage befindet sich zwar die Bolingstedter Au mit einem Mühlenteich ‒ der könnte aber eine derartige Wasserentnahme nicht verkraften. Selbst der einige Kilometer weit verlaufende Fluss Treene hat zumindest im Hochsommer einen deutlich geringeren Durchfluss als die womöglich benötigten 5,83 Kubikmeter pro Sekunde. Ein Brand, der nicht auf einen kleinen Teilbereich der Anlage begrenzt bleibt, wäre also schnell nicht mehr eingrenzbar.

In Bautzen wurden die Bewohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Diese Warnung besteht noch immer. Es wird erklärt, es handle sich um Vorsichtsmaßnahmen. Allerdings dürfte insbesondere die Verkabelung bei einem Brand gefährliche Substanzen abgeben.

42 Einwohner naheliegender Gebäude wurden evakuiert und in einem Hotel und einer Schule untergebracht. Zwei Kitas und zwei Horte in der Nähe der Anlage bleiben bis einschließlich Donnerstag geschlossen. Rund um die Uhr befinden sich zwischen 70 und 90 Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und der Polizei vor Ort. Die Ursache des Brandes ist bisher unbekannt.

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